Anspruch

Ein anspruchsvolles Studienprogramm begleitet und unterstützt die Promotionsarbeiten der Kollegiaten. Veranstaltungen zum Austausch über die Forschungsarbeiten der Kollegiaten sind genauso Bestandteil des Studienprogramms wie forschungsbegleitende Lehrveranstaltungen, die Einblicke in die für die Kollegiaten neuen, beteiligten Disziplinen ermöglichen. Abgerundet wird das Studienprogramm durch fächerübergreifende Ausbildungsanteile.

Eine Verkürzung der Promotionsdauer wird erfahrungsgemäß durch regelmäßige Präsentation der Forschungsergebnisse und Planung der weitergehenden Arbeiten, die Einbettung in einen breiteren Forschungszusammenhang, die Befreiung der Kollegiaten von forschungsfremden Aufgaben sowie die Möglichkeit zu Kongressteilnahmen, Gastaufenthalten und Teilnahme an Gastseminaren erreicht. Diese Aspekte der Förderung im Graduiertenkolleg sowie die angebotenen, zum Teil neuartigen Lehrveranstaltungen, gehen deutlich über die sonst übliche und mögliche Doktorandenbetreuung hinaus.

Ablauf der Promotion

Ausgehend von einem im Normalfall dreijährigen Stipendium wird das Studienprogramm jedes Kollegiaten in drei Abschnitte geteilt:

  • Einführungsphase (1. Semester): Kennenlernen der Forschungsumgebung des Graduiertenkollegs und die fachliche und organisatorische Einarbeitung. An ihrem Ende muss ein detaillierter Arbeits- und Studienplan für die folgenden Phasen vorliegen.
  • Hauptphase (2.-4. Semester): Durchführung der Forschungsarbeiten und interdisziplinäre Ausbildung im Studienprogramm. Zum Ende des 2. Semesters ist ein erster Zwischenbericht vorzulegen, zum Abschluss der Hauptphase (Ende 4. Semester) wird ein zweiter Zwischenbericht, idealerweise die Rohversion der Dissertation verfasst.
  • Abschlussphase (5.-6. Semester) Die Forschungsarbeiten werden abgeschlossen und die Dissertationsschrift verfasst. In dieser Phase sind weniger Lehrveranstaltungen vorgesehen.

Jedem der Abschnitte sind Erfolgskontrollen zugeordnet.

Lehrprogramm

Umfang des Lehrprogramms

Das Lehrprogramm der Kollegiaten umfasst 24 SWS für den gesamten Ausbildungszeitraum. Es setzt sich aus 12 SWS forschungsbegleitender Lehrveranstaltungen, 6 SWS fächerübergreifender Ausbildung und weiteren 6 SWS für Klausurtagungen und Kollegseminare zusammen.

Phase Semester Forschungsbegleitende Lehrveranstaltungen Klausurtagung & Kollegseminar Fächerüber-greifend SWS gesamt Abschluss
I 1 2-4 1 1-3 6 Arbeitsplan
II 2 2-4 1 1-3 6 Bericht
^ 3 1-3 1 0-2 4  
^ 4 1-3 1 0-2 4 Bericht
III 5 0-2   0-1 2  
^ 6 0-2 1 0-1 2 Promotion
Summen   12 6 6 24  

Forschungsbegleitende Lehrveranstaltungen

Zur Unterstützung der Forschungsarbeiten werden neue forschungsbegleitende Lehrveranstaltungen angeboten, die exklusiv für das Graduiertenkolleg konzipiert sind. Zu Beginn der Promotion besuchen alle Kollegiaten folgende, einführende Veranstaltungen, die von allen Betreuern zusammen durchgeführt werden:

  • Ringvorlesung zu aktuellen Forschungsthemen der beteiligten Fachgebiete (2 SWS, 1. Semester)
  • Integrierte Veranstaltung zu Vorgehensmodellen bei der Entwicklung von Mensch-Maschine-Systemen (2 SWS, 2. Semester)

Außerdem werden von den am Graduiertenkolleg beteiligten Wissenschaftlern neue Veranstaltungen zu speziellen Themen der Gestaltung von Mensch-Maschine-Interaktion angeboten. Diese Veranstaltungen sind für die Kollegiaten Wahlpflicht und werden von mehreren Betreuern unter Einbeziehung des Postdoktoranden, der Gastwissenschaftler und Kollegiaten gestaltet.

Die im Rahmen des Studienprogramms angebotenen Lehrveranstaltungen stehen auch den Forschungsstudenten offen. Die Kollegiaten können darüber hinaus in Absprache mit ihren Betreuern relevante Hauptstudiumsveranstaltungen besuchen.

Klausurtagungen

Die halbjährlich gewöhnlich außerhalb der üblichen Universitätsumgebung stattfindenden, ein- bis zweitägigen Klausurtagungen des Graduiertenkollegs bieten den Kollegiaten eine ideale Plattform, um den Arbeitsfortschritt darzustellen und intensiv zu diskutieren. Zusätzlich werden inhaltliche und organisatorische Belange des Kollegs zwischen Betreuern und Kollegiaten abgestimmt. Klausurtagungen können außerdem Übersichtsvorträge und/oder Workshops zu speziellen Themen enthalten. Die Teilnahme ist obligatorisch.

Kollegseminar

Das in einem zweiwöchigen Zyklus stattfindenden Kollegseminar ist Forum für Zwischenergebnisse, Forschungsberichte und Literaturreferate der Kollegiaten. Wenn auch zu bestimmten Themen Gastwissenschaftler und Praktiker eingeladen werden, ist die Veranstaltung sonst dem Graduiertenkolleg vorbehalten. Für den Zusammenhalt der Kollegiaten und ihre gemeinsame fachübergreifende Arbeit ist diese regelmäßige Veranstaltung als kontinuierliches Pendant zur Klausurtagung von großer Bedeutung. Die Teilnahme ist darum in allen Phasen des Studienprogramms vorgesehen.

Fächerübergreifende Ausbildung

Im Graduiertenkolleg sollen die Kollegiaten auch ihre fächerübergreifenden Kenntnisse und Fähigkeiten erweitern. Dazu werden Kurse zur Ausbildung von Soft Skills, zum Selbstmanagement und zu Methoden des Wissenschaftlichen Arbeitens in Kooperation mit anderen Programmen der strukturierten Nachwuchsförderung an der TU Berlin, der "International Postgraduate School (IPGS)" und der "Postgraduate International Process Engineering School (PIPES)", angeboten. Die Kollegiaten können nach ihren Bedürfnissen aus den angebotenen Veranstaltungen wählen.

Seminare und Vorträge von Gastwissenschaftlern und Praktikern

Neue Konzepte, Forschungen und integrative Ansätze, die an anderen Universitäten und Forschungseinrichtungen im In- und Ausland entwickelt werden, werden durch entsprechende Gastwissenschaftler vermittelt. Die zum Teil geblockten Lehraufträge sind Teil der forschungsbegleitenden Lehrveranstaltungen. Gastvorträge aus Forschung und Praxis werden im Kollegseminar gehalten. Außerdem werden die Gastwissenschaftler den Graduierten weitere Tage für intensive Beratungen und gegebenenfalls Kooperationsgespräche (zum Beispiel zur Anbahnung von Auslandsaufenthalten) zur Verfügung stehen. Besonders zu erwähnen ist hierbei die bestehende Kooperation mit der finnischen Graduiertenschule UCIT (?Graduate School in User-Centered Information Technology?), in deren Rahmen namhafte finnische Wissenschaftler Veranstaltungen anbieten werden.

Weitere wesentliche Aspekte des Studienprogramms

Auslandskontakte und -aufenthalte der Kollegiaten

Der Aufbau von internationalen Kontakten wird ausdrücklich unterstützt, im Studienprogramm aber nicht formal festgeschrieben. Es wird von den Kollegiaten erwartet, dass insbesondere in der Endphase die Forschungsergebnisse der internationalen Öffentlichkeit vorgestellt werden. Die Teilnahme an Konferenzen oder Tagungen wird begrüßt und entbindet von gleichzeitig stattfindenden Pflichtveranstaltungen. Eine eventuell anstehende Erfolgskontrolle muss später nachgeholt werden. Die Kollegiaten können entsprechend ihren fachlichen Bedürfnissen im Rahmen des Graduiertenkollegs außerdem einen Forschungsaufenthalt oder ein Praktikum von ein bis drei Monaten bei kooperierenden Institutionen aus Forschung oder Industrie, deutsche Kollegiaten nach Möglichkeit im Ausland, wahrnehmen. Ab 2008 besteht im Rahmen einer deutsch-finnischen Kooperation zudem die Möglichkeit für mehrwöchige Auslandsaufenthalte an der finnischen Graduiertenschule UCIT (?Graduate School in User-Centered Information Technology?). Im Rahmen dieser Kooperation werden Stipendiaten und Wissenschaftlern beider Institutionen mehrwöchige Aufenthalte im jeweiligen Partnerland ermöglicht, um Forschungsarbeiten durchzuführen und Erkenntnisse auszutauschen.

Organisation internationaler Veranstaltungen

Alle zwei Jahre findet die Berliner Werkstatt Mensch-Maschine-Systeme statt, die sich zu einer der wichtigsten nationalen Veranstaltungen auf dem Gebiet der Mensch-Maschine-Interaktionsforschung entwickelt hat. Im Zuge des Graduiertenkollegs wird die Veranstaltung um einen internationalen Teil erweitert, der im Anschluss oder Vorfeld des deutschsprachigen Teils stattfinden wird und Themen des Graduiertenkollegs aufgreift. Die Kollegiaten erhalten so die Möglichkeit, ihre Arbeiten in einem größeren Rahmen zu präsentieren und durch die Beteiligung an der Durchführung außerdem Planung, Organisation und Finanzierung wissenschaftlicher Tagungen zu trainieren.

Abwechselnd dazu sind zweijährig Sommerschulen zu ausgewählten Themen des Graduiertenkollegs, zum Beispiel im Rahmen des DAAD-Programms "Deutsche Sommer-Akademie" geplant. Die Organisation soll in diesem Fall hauptsächlich durch die Kollegiaten, unterstützt von den Betreuern, stattfinden.

Betreuungskonzept

Betreuungsteams und Mentoren

Jedes Dissertationsprojekt wird von zwei Betreuern begleitet. Regelmäßige Zielvereinbarungsgespräche mit dem Betreuungsteam und schriftliche Fixierung der getroffenen Vereinbarungen auch zwischen den Klausurtagungen sind vorgesehen. Jedem Kollegiaten wird zusätzlich ein Mentor (Wissenschaftlicher Mitarbeiter oder Assistent aus den Fachgebieten) zur Seite gestellt, der bei organisatorischen Fragen zum Dissertationsvorhaben insbesondere zu Beginn zur Verfügung steht. Neben der Doppelbetreuung garantieren die Inhalte des Studienprogramms eine interdisziplinäre Ausbildung.

Der Einbezug von Gastwissenschaftlern und Praktikern bietet den Kollegiaten die Möglichkeit zum inhaltlichen Austausch sowie zur Vorbereitung von Kooperationsmöglichkeiten und Auslandsaufenthalten. Die Kollegiaten werden außerdem von Anfang an mit dem Ziel angeleitet und unterstützt, international zu publizieren. Die Möglichkeiten zur aktiven Beteiligung (wie Vorträge, Organisation von Veranstaltungen) unterstützen eine selbstständige Arbeitsweise der Kollegiaten.

Erfolgskontrolle

Das System zur Erfolgskontrolle beinhaltet zum Einen regelmäßige vertrauliche Zielvereinbarungsgespräche mit dem Betreuungsteam, zum Anderen die halbjährlichen Klausurtagungen des Graduiertenkollegs, an denen Betreuer, Stipendiaten und andere Kollegiaten teilnehmen.

Den größten Raum dieser Treffen nehmen Vorträge mit anschließender Diskussion der Arbeiten der Kollegiaten ein. Kollegiaten, die laut Studienplan am Schluss ihrer Einführungsphase stehen oder den 1. oder 2. Zwischenbericht angefertigt haben, geben hierbei einen ausführlichen Arbeitsbericht von 60 Minuten einschließlich Diskussion. Die anderen Kollegiaten halten einen kurzen Übersichtsvortrag (20 Minuten) zu ihren Arbeiten.

Vor den Klausurtagungen fertigen die Kollegiaten schriftliche Ausarbeitungen an, die den betreuenden Professoren rechtzeitig vor der Klausur zur Verfügung gestellt werden. Sowohl in den Vorträgen als auch in den Ausarbeitungen wird darauf eingegangen, welche Fragestellung bearbeitet wird, welche Ergebnisse bisher erzielt wurden und welche weiteren Arbeitspunkte in welchem Zeitraum geplant sind. Die zu einem Arbeitsbericht gehörende schriftliche Ausarbeitung ist ausführlicher zu gestalten, kann aber in ihrem inhaltlichen Teil durch eine im Berichtszeitraum entstandene Veröffentlichung ersetzt werden.

Nach den Vorträgen erfolgt eine Beratung unter den Betreuern über den Stand der Arbeiten jedes einzelnen Kollegiaten. Ausarbeitung, Vortrag mit Diskussion, Teilnahme am Studienprogramm sowie die Einschätzung der Betreuer unter Berücksichtigung der Zielvereinbarungen gehen in die Rückmeldungen an die Kollegiaten und letztendlich in die Entscheidung über eine Weiterförderung ein. Darüber hinaus erhalten die Kollegiaten von den Betreuern Hinweise, die bei der Arbeit an ihrer Dissertation weiterhelfen.